Therapeutisches Reiten

Beim Therapeutischen Reiten werden die positiven Wirkungen, die Pferde auf den Menschen ausüben, gezielt eingesetzt und genutzt.
Dabei ergeben sich verschiedene Schwerpunkte, je nachdem welche Ziele im Vordergrund stehen:

  • Hippotherapie

  • Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd

  • Sport mit Pferden auch für Menschen mit Handicap

Auf der Reitanlage Dachreiter werden alle Schwerpunkte unter einem Dach vereint und in das Vereinsleben integriert.
Alle Pferde, die dem Verein zur Verfügung stehen, werden in den verschiedenen Bereichen des Therapeutischen Reitens eingesetzt. Mit ihren unterschiedlichen Charakterzügen und körperlichen Eigenschaften können sie individuell ausgewählt werden.
Es gibt für jeden Reiter geeignete Aufsitzhilfen, fest installiert oder mobil einsetzbar und die gesamte Anlage ist behindertengerecht gestaltet. Sie steht wöchentlich für über 20 Stunden dem Therapeutischen Reiten zur Verfügung.
Seit 2003 kann der Reit- und Fahrverein Herbstein das Gütesiegel „Gekennzeichnete Einrichtung“ für das Therapeutische Reiten des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten für Hippotherapie und Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd vorweisen. Für dessen Erteilung wird eine Einrichtung von einem Gremium aus Vertretern des DKThR und der FN nach festen Vorgaben, z.B. qualifiziertes Personal, geeignete Therapiepferde, behindertengerechte Anlage, usw. geprüft und in regelmäßigen Abständen überprüft.

 

Hippotherapie
Die Hippotherapie ist eine krankengymnastische Behandlungsmethode, bei der das Pferd als Medium eingesetzt wird. Der dreidimensionale Schwingungsimpuls des Pferderückens des im Schritt gehenden Pferdes wird auf den Menschen übertragen und bildet den entscheidenden Trainingsreiz. Diese Schwingungen entsprechen dem normalen Gangbild des Menschen. Der Patient übernimmt diese Bewegungen, wobei er ständig aktiv reagieren muss, um das Gleichgewicht zu halten.
-Stabilisation der Muskulatur
-Tonusregulation
-Mittellinienorientierung
-Verbesserung des Gleichgewichts
-Grob- und Feinmotorik
-Koordination
Die hohe Motivation die vom lebendigen Übungspartner Pferd ausgeht, verhilft dieser Therapieform zu ihrem besonderen Erfolg.
Die Hippotherapie wird ärztlich verordnet und überwacht z.B. bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralen Nervensystems (Multiple Sklerose, Hemiparesen, ...) und des Stütz- und Bewegungsapparates. Durchgeführt wird sie im Reit- und Fahrverein Herbstein von Klaus Lips, einem Krankengymnasten mit der Zusatzausbildung für die Hippotherapie des DKThR. Er wird unterstützt von einem Helfer, der für das Pferd zuständig ist.

 

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd (HFP)

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd im Bereich Voltigieren oder Reiten bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Gelegenheit, Defizite in einzelnen Bereichen aufzuarbeiten. Trotzdem wird im Zusammenhang mit dem Pferd der Mensch immer als Ganzes gefördert und gefordert,
z.B. bei
-Hyperaktivität, ADHS
-Konzentrations- und Lernschwächen
-Sprachentwicklungsstörungen
-Wahrnehmungsstörungen
-Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung
-Verhaltensauffälligkeiten
-Lernbehinderung
-Geistiger Behinderung
-Psychischen Erkrankungen
-Sonstigen Defiziten in der individuellen und sozialen Entwicklung

Ziele beim der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd können sein:

- Stärken erkennen

-Selbstbewusstsein stärken
- Vertrauen aufbauen
- Wahrnehmung fördern
- Konzentration und Ausdauer steigern
- Grenzen vermitteln
- Verantwortung übernehmen
- Koordination und Gleichgewicht schulen
- Körperbewusstsein entwickeln
-Beziehungsfähigkeit verbessern
- Motivation erhalte
- Ängste abbauen



Mit Kirsten Antritter-Boß, Sabrina Wiegand und Astrid Schneider stehen im Reit- und Fahrverein Herbstein drei Pädagoginnen mit einer Zusatzausbildung für das Heilpädagogische Voltigieren/Reiten (DKThR) zur Verfügung. Sie betreuen den Großteil der Menschen, die auf der Anlage des Vereins am Heilpädagogischen Voltigieren teilnehmen.

Angebote werden individuell in Einzel- oder Gruppenstrukturen gestaltet für
- Einrichtungen (Kindertageseinrichtungen, Schulen, Wohnheime, Werkstätten, ...)
- Kinder, Jugendliche und Erwachsene
- Familien
- Gruppen

In der Regel arbeiten die Pädagogen alleine mit den Gruppen oder Einzelpersonen. So kann die für den Entwicklungsprozess wichtige Beziehung Klient-Pädagoge-Pferd ungestört aufgebaut werden. Lediglich in Ausnahmefällen kann es erforderlich sein, weitere Personen einzubeziehen.
Die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd kann in folgendem Rahmen stattfinden:
- wöchentliche Termine
- regelmäßige Einheiten nach Vereinbarung
- einmalige Aktionen
- lang- oder kurzfristige Projekte
- Seminare
- ein oder mehrere Angebote während eines Urlaubaufenthaltes

 

 

 


Sport mit Pferden kann im Reit- und Fahrverein Herbstein jeder ausüben. Reiten, Voltigieren und Fahren gehören zu den wenigen Sportarten, die von Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ausgeübt werden können. Der Pferdesport bietet allen Menschen einen gelungenen Ausgleich zum Alltag, ein sinnvolles Hobby und eine gute Möglichkeit soziale Kontakte herzustellen. Mit speziellen Hilfsmitteln und besonders ausgebildeten Pferden sind diese Sportarten jedem zugänglich.

Im Bereich des Breitensports gibt es zahlreiche Pferdesportler mit Handicap, die in den Vereinsstunden mit reiten und in alle Vereinsaktivitäten integriert sind. Hier besteht eine große Bereitschaft aller im Verein tätigen Ausbilder und der Vereinsmitglieder sich auf die individuellen Bedürfnisse der Einzelnen einzustellen. Bei der Gestaltung des Unterrichtsangebots und der Auswahl geeigneter Hilfsmittel sind kreative Ideen und fachliche Kompetenz gefragt.
Heinrich Brähler, Pferdewirtschaftsmeister (FN), unterstützt die Ausbildung von Reiter mit Handicap und Pferd bis hin zur Teilnahme an den Paralympics, wie z.B. Angelika Trabert.